Der Erdkinderplan der Sekundarstufe

Nach einem vorangegangenen Pilot-Schuljahr haben wir an der BMS mit dem Schuljahr 2019/20 die Organisationsstruktur der Sekundarstufe angepasst. Unsere Sekundarstufe ist in drei jahrgangsgemischten Klassen strukturiert:

Den jahrgangsgemischten Klassen 7-9 (mit einem separaten Abschlussjahrgang 10) bzw. 7-10 (mit einem integrierten Abschlussjahrgang 10) liegt das pädagogische Konzept des Erdkinderplans zugrunde.

Maria Montessori hat mit dem Erdkinderplan ein Konzept vorgelegt, welches den Bedürfnissen der Jugendlichen entspricht, die sich auf die Gesellschaft vorbereiten. Die Bedürfnisse sind nicht unbedingt den Wünschen der Jugendlichen gleichzusetzen. Vielmehr handelt es sich um Aufgaben und Anforderungen, die der Physis der Jugendlichen (der Körper ist im Aufbau), der Psyche (der Geist wandelt sich, das Gehirn baut sich um) und der sozialen Rolle der Jugendlichen (der Jugendliche entdeckt sich als soziales Element der Gesellschaft) entsprechen. 

Maßgeblich für alle unsere Lerngruppen ist demzufolge der "Plan of Study and Work", den Maria Montessori im Erdkinderplan entworfen hat. Dieser ist aufgeteilt in folgende Einheiten:

A - Practical Considerations 
Hier wird die Farm als "Center of Study and Work" als vorbereitete Umgebung skizziert. Dies umfasst:

  • eine Residenz für die Jugendlichen mit der Herausforderung, als Gruppe gemeinsam den Lebensunterhalt zu gestalten
  • eine Farm "auf dem Lande" mit Tieren, Pflanzen und Natur - außerhalb des Wirkungskreises der Jugendlichen.
  • ein Hotel mit Gästezimmern
  • ein Geschäft mit Buchhaltung
  • eine Werkstatt mit Maschinen (in unserer Zeit auch Computer)

Die Gruppe muss heterogen und altersgemischt sein. Für uns in der BMS gilt: Alle Bausteine müssen in jeder Lerngruppe umgesetzt sein, damit der Erdkinderplan richtig wirkt. Die Umsetzung kann aber je nach vorbereiteter Umgebung variieren. So kann der Aspekt "Residential life" nicht in jeder Lernumgebung gleich dargestellt werden. Er darf aber auf gar keinen Fall fehlen. Es ist vorstellbar, dass ein Teil der Gruppe auf der Farm arbeitet, während ein anderer Teil in den Büroräumen der Schule ist. Die Farm ist dann ständig betreut und die Bereiche "Tierhaltung" und "Garten" können perfekt umgesetzt werden. 

Der Teil A beinhaltet eine Fülle von praktischen Arbeiten. Sie finden im Rahmen der "Adolescent Community" statt, die als Gruppe von den Lernbegleitern dazu befähigt wird, zu entscheiden, welche Arbeiten im Erdkinderplan wie umgesetzt werden. Festgeschrieben ist, dass mit Natur, Pflanzen, Tieren, Gastronomie, Hotellerie, Dienstleistungen, Handwerk und Maschinen (Computern) gearbeitet wird. Im Prinzip werden alle gesellschaftlichen Arbeitsbereiche abgedeckt - und die Schüler können in einem geschützten Rahmen erste Lebenserfahrungen machen und ihr in der Grundschule erworbenes Wissen über die Welt praktisch anwenden. Dieser Rahmen wird von den Pädagogen vorbereitet. Der Pädagoge hat die Verantwortung, dass die Jugendlichen mit den Arbeiten beginnen können. Er organisiert Werkzeug, Material und setzt das Geschäftliche so auf, dass es laufen kann. Bei der korrekten Umsetzung entwickelt die Community mit der Zeit Mitgestaltungsmöglichkeiten und kann den Projekten ihre eigene Identität geben. Dies kann Monate oder Jahre dauern. Mit der Zeit entwickeln sich Managerposten und die Jugendlichen werden angelernt, auch Verantwortung selbst zu übernehmen. Irgendwann kann die Adolescent Community autark werden und die älteren Jugendlichen übernehmen einen Großteil der Verantwortung für das Projekt. Die Lernbegleiter unterstützen immer so viel, wie es notwendig ist, damit die Jugendlichen im Sinne der Entwicklung von Eigenständigkeit agieren können. Wichtig ist hier auch der Bereich "Production and exchange" und der Umgang mit Geld. Die Jugendlichen lernen akkurate Buchhaltung, Genauigkeit und die Kosten ihrer Lernumgebung einzuschätzen. Dies sorgt für mehr Achtsamkeit der Lernumgebung gegenüber und gibt der Arbeit einen echten Wert. In regelmäßigen Projektpräsentationen (2-3 mal pro Halbjahr) werden die erbrachten Leistungen präsentiert. 

B - Educational Syllabus 
(Self Expression, Psychic Development, Preparation for Adult Life)
Auch dieser Bereich ist vom Lernbegleiter vorzubereiten und zu betreuen. Hier ist herauszuheben, dass Montessori "Self Expression" an die erste Stelle setzte und ihr große Bedeutung beimaß. Künstlerische und musische Inhalte sollen ein starkes Gewicht haben, Sprache durch kreative Prozesse gefördert werden. Unter "Psychic Development" ist die Entwicklung des sprachlichen, mathematischen und moralischen Geistes zu verstehen. Dies kann durchaus auch durch regelmäßige Deutsch- und Matheeinheiten erfolgen, die nicht an praktische Projekte geknüpft sind. 
Im "Preparation for Adult Life" beschreibt Montessori alle gesellschaftlich relevanten Inhalte, die man erlernen muss, um in einer Gesellschaft teilzuhaben. Dies sind im klassischen Schulsystem die Natur- und Gesellschaftswissenschaften. 

Diese Inhalte werden häufig mit den Projekten des Teil A "Practical Considerations" kombiniert, können aber auch separat laufen. 

Wichtige Methoden für den Bereich B sind:

  • Journaling (Self Expression)
  • sokratische Seminare (Psychic Development).

Die Struktur der Unterrichtsreihen ist in einem "Three Period Learning Cycle" aufgebaut. "Self Expression" Inhalte werden in sogenannten "Coffee house" präsentiert. Dies ist das Pendant zu den Präsentationen der Projekten.

Das Digitale Klassenbuch
Ein wesentliches Tool zur Dokumentation und zum Austausch zwischen den schulischen und außerschulischen Lernorten ist das eigens für unsere Schule programmierte "Digitale Klassenbuch". Dieses Dokumentationssystem ist weltweit einzigartig und nach dem "Plan of Study and Work" aufgebaut, was die Eingabe extrem erleichtert und für ein ideales Maß an Transparenz bei der individuellen Entwicklung der Schüler*innen sorgt.