Jetzt wird es bunt - Kunstprojekt mit Katja von Puttkamer

Verfasst am: 15.04.2019

 

Katja von Puttkamer, Künstlerin aus Ingelheim, und Schüler*innen der BMS führen gemeinsames Kunstprojekt durch.

Quirliges Treiben begrüßt mich, als ich den Kunstraum der BMS betrete. Schüler*innen der jahrgangsgemischten Grundschulklasse (1-4) gestalten ein Kunstprojekt zusammen mit der Ingelheimer Künstlerin Katja von Puttkamer. Das fertige Projekt soll die Abschlusspräsentation der Kinder der Saturnklasse für dieses Schuljahr werden. Ein leichtes Nicken zeigt, dass Frau Puttkamer mich gesehen hat. Ich möchte den Fluss nicht unterbrechen und suche mir eine Ecke, in der ich nicht störe und alles gut beobachten kann.

Jetzt erkenne ich - das Treiben folgt einer Richtung. Linda S. aus der 4. Jahrgangsstufe überträgt zusammen mit Anna G. aus der 3. Jahrgangsstufe Gemälde von einem kleinen Papprechteck ca. 10x15 cm auf ein großes einfarbiges Rechteck von ca. 30x40 cm. Sehr konzentriert zeigen sich die jungen Künstlerinnen. Die Jungs der 2. Jahrgangsstufe sitzen auf dem Boden - mit Farbrollen grundieren sie die großen Rechtecke. Die Mädchen der 1. und 2. Jahrgangsstufe haben sich um einen Tisch verteilt und sind noch damit beschäftigt, ihre kleinen Rechtecke fertig zu gestalten und an allen vier Seiten einen Schlitz anzubringen. Den leisen Gesprächen kann ich entnehmen, dass die Schlitze wichtig sind. Warum? Das sollte ich erst später erfahren. 

Als sich der Schultag dem Ende zuneigte, setzten sich die Kinder in einen Kreis und meldeten sich freiwillig für die Dienste, die Alexandra Theis, Lernbegleiterin der Saturnklasse, zu verteilen hatte. Wer macht die Farbrollen und Pinsel sauber? Wer räumt die bemalten Kunstwerke in den Trockenständer? Wer kehrt den Klassenraum? So ging es weiter, bis alle Aufgaben verteilt und anschließend auch erledigt waren. Frau Theis, Frau Frank (FSJ) und Frau von Puttkamer unterstützten die Tätigkeiten und behielten den Überblick. Nachdem auch die letzten Pinsel gereinigt waren und der letzte Radiergummi seinen Besitzer gefunden hatte, gab es das Abschlussritual und die Kinder verließen den Klassenraum. 

Nun war Zeit und Ruhe für ein paar Hintergrundinformationen. Frau von Puttkamer berichtete mir, wie aufmerksam und konzentriert die Kinder arbeiteten. Auch wie die jüngeren Kinder von dem Wissen der älteren profitierten und wie die Großen ihr Know-how gerne weitergaben. Sie zeigte mir die Bilder, die die Kinder zur Vorbereitung in den letzten Wochen gemalt hatten. Wunderbare Illusionen in schwarzweiß liegen da vor mir, Sinnesorgane wurden mit der Lupe erkundet und anschließend zu Papier gebracht. Mit selbstgebauten Farbkreiseln lernten die Kinder etwas über das Mischen von Farben und auch geometrische Formen spielten eine Rolle. Jetzt verstand ich die kleinen Rechtecke, die ich bei den Schüler*innen gesehen hatte. Aus der Erfahrung der letzten Wochen hat jedes Kind sein ganz eigenes Bild entwickelt. Ich erkannte Elemente aus der Geometrie und der Illusion wieder. Nun lüftete sich auch das Geheimnis der Schlitze. Alle Bilder der Schüler*innen werden nach Fertigstellung zu einem großen Steckgebilde zusammengebaut. Raumgreifende Malerei nennt man das und der Clou: es kann jederzeit neu angeordnet und zusammengesteckt werden. So kann es wieder ein ganz neues Kunstwerk werden. Dieses Karten-Konstruktions-Spiel, bezeichnet man auch als „House of Cards“ und geht auf das US-amerikanische Architektenpaar Ray & Charles Eames zurück. Nun bin ich gespannt, wie das fertige Kunstwerk zur Abschlusspräsentation aussehen wird.

Ich konnte wieder einmal erleben, wie die Kinder Theorie gemäß dem Montessori-Ansatz ganz praktisch erleben dürfen. Ich danke Frau Puttkamer für ihre Zeit und diese wunderbare Möglichkeit, zusammen mit den Lernbegleitern Alexandra Theis und Julia Frank, Kunst so erlebbar für diese jungen Menschen zu machen.  

Bericht verfasst von Natascha Kraeh-Hoffmann (Mutter eines Schülers der Saturnklasse).